Anschreiben für die Bewerbung: Aufbau und Beispiele
Aktualisiert am
Ein gutes Anschreiben ist eine Seite lang und zeigt, warum Sie zu genau dieser Stelle passen. Es beginnt mit einem konkreten Einstieg statt „hiermit bewerbe ich mich“, belegt im Hauptteil zwei bis drei Anforderungen mit Beispielen aus Ihrer Erfahrung und endet mit Eintrittstermin, gegebenenfalls Gehaltsvorstellung und dem Wunsch nach einem Gespräch.
Wann ein Anschreiben nötig ist
Das Anschreiben gehört in Deutschland traditionell zu jeder vollständigen Bewerbung, zusammen mit dem Lebenslauf und den Zeugnissen. Inzwischen verzichten manche Unternehmen darauf und bieten eine „Bewerbung ohne Anschreiben“ oder ein Online-Formular mit wenigen Fragen an. Wenn die Stellenanzeige ein Anschreiben verlangt oder offenlässt, sollten Sie eines beilegen – es ist Ihre Chance, Ihre Motivation und Ihre Passung in eigenen Worten zu erklären.
Wenn ausdrücklich steht „Ein Anschreiben ist nicht nötig“, investieren Sie die Zeit lieber in einen genau angepassten Lebenslauf mit gutem Kurzprofil.
Der formale Aufbau nach DIN 5008
Für Geschäftsbriefe gibt es in Deutschland die Norm DIN 5008. Sie müssen sie nicht millimetergenau einhalten, aber der übliche Aufbau hilft, professionell zu wirken:
- Absender: Ihr Name, Adresse, Telefonnummer und E-Mail-Adresse, oben links oder als Briefkopf.
- Empfänger: Unternehmen, Ansprechperson und Adresse.
- Ort und Datum: rechtsbündig, zum Beispiel „Leipzig, 28. Oktober 2026“.
- Betreff: fett, ohne das Wort „Betreff“, zum Beispiel „Bewerbung als Teamleiterin Lagerlogistik – Kennziffer 2026-114“.
- Anrede: wenn möglich mit Namen („Sehr geehrte Frau Krüger,“). Den Namen finden Sie oft in der Anzeige oder durch einen kurzen Anruf.
- Einleitung, Hauptteil und Schluss: drei bis fünf Absätze.
- Grußformel: „Mit freundlichen Grüßen“, darunter Ihre Unterschrift und Ihr Name.
- Anlagen: optional ein Hinweis auf die beigefügten Unterlagen, etwa „Anlagen: Lebenslauf, Zeugnisse“.
Die Einleitung: ohne Floskeln einsteigen
Der erste Satz entscheidet, ob weitergelesen wird. „Hiermit bewerbe ich mich auf die von Ihnen ausgeschriebene Stelle“ steht in unzähligen Anschreiben und sagt nichts, was der Betreff nicht schon verrät. Steigen Sie stattdessen mit dem ein, was Sie mitbringen oder was Sie an der Stelle reizt.
SchwächerHiermit bewerbe ich mich auf die von Ihnen ausgeschriebene Stelle als Teamleiterin im Lager.
BesserSeit drei Jahren führe ich ein Lagerteam mit 14 Mitarbeitenden im Zweischichtbetrieb – diese Erfahrung möchte ich als Teamleiterin Lagerlogistik in Ihr wachsendes Distributionszentrum einbringen.
Wenn Sie vorher mit jemandem im Unternehmen telefoniert oder auf einer Messe gesprochen haben, nehmen Sie darauf Bezug: „Vielen Dank für das freundliche Telefonat am 20. Oktober, in dem Sie mir …“
Der Hauptteil: Anforderungen mit Beispielen belegen
Suchen Sie sich aus der Stellenanzeige die zwei bis drei wichtigsten Anforderungen heraus und zeigen Sie zu jeder ein konkretes Beispiel aus Ihrer Erfahrung. So wird aus einer Behauptung ein Beleg. Wiederholen Sie nicht einfach den Lebenslauf, sondern erklären Sie, was hinter den Stationen steckt.
Bei der Musterlogistik GmbH verantworte ich den Wareneingang und die Kommissionierung für den Lebensmitteleinzelhandel. Im vergangenen Jahr habe ich die wöchentliche Stichprobeninventur in SAP eingeführt; seitdem treten Bestandsdifferenzen deutlich seltener auf.
Zuvor habe ich als Disponentin täglich die Touren für 22 Fahrzeuge geplant und Reklamationen mit Speditionen und Kunden geklärt. Dabei habe ich gelernt, auch unter Zeitdruck den Überblick zu behalten und klar zu kommunizieren.
Schließen Sie den Hauptteil mit einem Satz, warum Sie gerade zu diesem Unternehmen wollen. Bleiben Sie konkret: ein Produkt, ein Standort, ein Projekt aus der Presse oder die Arbeitsweise, die in der Anzeige beschrieben ist.
SchwächerIch bin kommunikationsstark, teamfähig und arbeite gern selbstständig.
BesserAls Disponentin habe ich täglich zwischen Fahrern, Speditionen und Kunden vermittelt – auch dann, wenn eine Lieferung kurzfristig umgeplant werden musste.
SchwächerIhr Unternehmen hat mich schon immer fasziniert.
BesserIhr neues Distributionszentrum in Schkeuditz und die geplante Umstellung auf ein neues Lagerverwaltungssystem sind genau die Aufgaben, die ich suche.
Der Schluss und die Bewerbungsunterlagen
Im Schluss nennen Sie Ihren frühestmöglichen Eintrittstermin oder Ihre Kündigungsfrist und, wenn die Anzeige danach fragt, Ihre Gehaltsvorstellung als Bruttojahresgehalt. Beenden Sie das Anschreiben mit einem selbstbewussten, aber höflichen Satz – ohne Konjunktiv-Häufung wie „Ich würde mich sehr freuen, wenn Sie mich eventuell einladen würden“.
Meine Kündigungsfrist beträgt drei Monate zum Monatsende. Meine Gehaltsvorstellung liegt bei 52.000 Euro brutto im Jahr. Über die Einladung zu einem persönlichen Gespräch freue ich mich.
Mit freundlichen Grüßen
- Länge: eine Seite, nicht mehr.
- Reihenfolge der Unterlagen: Anschreiben, gegebenenfalls Deckblatt, Lebenslauf, dann Arbeitszeugnisse und Abschlusszeugnisse, die neuesten zuerst.
- Dateien: alles in einer PDF-Datei mit klarem Namen, zum Beispiel „Bewerbung_Vorname_Nachname.pdf“, und möglichst klein, damit sie per E-Mail ankommt.
- E-Mail-Bewerbung: kurzer Text in der E-Mail selbst, das ausführliche Anschreiben als Teil der PDF.
Lesen Sie das Anschreiben laut vor, bevor Sie es abschicken. Sätze, über die Sie stolpern, sind meist zu lang oder zu verschachtelt.
Häufige Fragen
Wie lang darf ein Anschreiben sein?
Eine DIN-A4-Seite. Mehr wird selten gelesen. Wenn Ihr Text länger ist, streichen Sie Wiederholungen aus dem Lebenslauf und konzentrieren Sie sich auf die zwei bis drei wichtigsten Anforderungen der Stelle.
Was schreibe ich, wenn ich keinen Ansprechpartner finde?
Rufen Sie kurz im Unternehmen an und fragen Sie, wer für die Stelle zuständig ist. Wenn das nicht möglich ist, verwenden Sie „Sehr geehrte Damen und Herren,“ – das ist korrekt, wirkt aber weniger persönlich.
Muss ich eine Gehaltsvorstellung angeben?
Nur, wenn die Stellenanzeige danach fragt. Dann nennen Sie einen konkreten Betrag oder eine enge Spanne als Bruttojahresgehalt. Ohne Nachfrage sprechen Sie das Gehalt besser erst im Vorstellungsgespräch an.
Gilt das Anschreiben auch in Österreich und der Schweiz?
Ja, der Aufbau ist sehr ähnlich. In der Schweiz spricht man häufig vom „Motivationsschreiben“, und Referenzen werden oft direkt im Lebenslauf genannt. Ein Hinweis auf eine Arbeitsbewilligung kann bei Bewerbungen aus dem Ausland sinnvoll sein.